DIE MUSIK

Seele der Capoeira

Die Musik ist das Offensichtlichste, was Capoeira von allen anderen Bewegungs- und Kampfkünsten unterscheidet. Sie wurzelt tief in der afro-brasilianischen Geschichte, trägt die Energie der Roda und verbindet alle Capoeiristas im gemeinsamen Rhythmus. Die Berimbau bestimmt das Tempo und den Charakter des Spiels – ob es fließend oder explosiv, ernst oder verspielt wird. Wer die Musik versteht, versteht Capoeira.

Cabaça des Berimbau
Kleiner Einschub von Marinheiro„Die Musik der Capoeira ist für viele das ungewohnteste Element dieser Kunst – und war es für mich persönlich am Anfang auch. Viel schwerer als die Bewegungen selbst. Aber wenn man sich darauf einlassen kann, gewinnt die Capoeira eine ganz neue Tiefe und Bedeutung.“

Die Berimbau – das Herzstück der Capoeira

Berimbau lehnt an der Atabaque

Die Berimbau ist das wichtigste Instrument der Capoeira – sie gibt den Rhythmus (den Toque) vor, bestimmt das Spiel und führt die Roda. Der Toque beeinflusst Tempo, Charakter und Intensität des Spiels. Wer die Berimbau hört, weiß, worum es gerade geht.

Sie besteht aus einem biegsamen Holzbogen (Verga), einem gespannten Stahldraht (Arame) und einem ausgehöhlten Kürbis (Cabaça), der als Resonanzkörper dient. Mit einem kleinen Stock (Baqueta) wird die Stahlsaite angeschlagen und so der Ton erzeugt. Dazu kommt ein Stein oder eine Münze (Pedra oder Dobrão), mit dem der Ton variiert wird. Eine kleine, geflochtene Rassel (Caxixi) ergänzt den Toque und unterstreicht den Rhythmus. Baqueta und Caxixi werden dabei in einer Hand gehalten – die andere Hand hält das Instrument und verändert den Ton an der Saite. Klingt kompliziert? Zugegeben, man muss ein wenig üben – aber es ist absolut machbar!

Übrigens: Im Portugiesischen heißt es eigentlich o berimbau – also der Berimbau. Bei uns im Training hat sich die Berimbau eingebürgert. Beides ist okay – auch „das Berimbau“ haben wir schon gehört und können gut damit leben. 😉

Und so klingt sie

Neugierig, wie die Berimbau klingt? Hör rein 😉 – hier drei der häufig genutzten Toques, also Rhythmen: Angola, São Bento Grande de Angola und São Bento Grande da Regional. Jeder Toque hat sein eigenes Spiel, seine eigene Intensität und Energie.

Und nebenbei: Capoeira ist auch etwas für den Kopf…

Gemeinsames Lernen der portugiesischen Liedtexte im Training

Die Lieder der Capoeira sind auf Portugiesisch – und wir lernen sie gemeinsam im Training. Manchmal singen wir sie einfach mit, manchmal schreiben wir sie auch auf. Wer will, kann sich die Texte mitnehmen und zu Hause weiterüben – so trainieren wir nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf.

Und weil Capoeira nicht nur Bewegung, sondern zugleich Sprache, Geschichte, Erinnerung und Gemeinschaft ist, hier ein Lied, das wir häufiger singen. Es fasst gut zusammen, worum es bei „unserer“ Capoeira geht:

Quando Berimbau tocar

„Tamo junto, misturado
Quando Berimbau tocar
Me diga quem é você
Vamos vadiar“

Sinngemäß bedeutet das:

Wir sind alle unterschiedlich, verschieden – und doch zusammen, füreinander da. Vereint, wenn die Berimbau uns ruft.

In der Roda spielen Herkunft, Alter und Status keine Rolle. Zeig, wer du bist, was dich ausmacht. Lass uns das Leben genießen, den Alltag vergessen – gemeinsam spielen.

Nach oben scrollen